Heute hat das Internet Geburtstag. Zeit, sich einmal für die guten Dinge zu bedanken. Hier eine kleine Liste der Begegnungen, für die ich besonders dankbar bin (und die mir jetzt spontan einfallen – Reihenfolge ist beliebig hinsichtlich der Relevanz und die Liste ist bestimmt nicht komplett). Es sind alles Begegnungen, die es ins echte Leben geschafft haben und mir einfach viel bedeuten. Jetzt, da ich weiß, dass es diese Menschen gibt, will ich sie nicht mehr missen.

Mein ältester Internet-Freund ist Tom. Wir kennen uns schon seit gefühlten Ewigkeiten. Ich glaube, wir haben uns in einem Web.de-Chat kennengelernt. Oder war es das Cyberforum? Ich weiß es nicht mehr. Aber das war irgendwann so um 2004. Tom ist aus Berlin und lebt dort heute mit seiner tollen Frau und seinem bezaubernden Sohn. Ich muss die drei unbedingt mal wieder besuchen. Ist so eine typische „long distance friendship“. Man sieht sich selten, schreibt sich nicht oft, aber an besonderen Tagen – Geburtstagen und so – da schickt man sich ein Lebenszeichen. Und wenn man sich dann doch sieht, ist es, als sei die letzte Begegnung erst vor wenigen Tagen gewesen. Selbst die Kosenamen haben es über das letzte Jahrzehnt geschafft. Ja, auch Freunde geben sich Kosenamen. Wenn auch weniger tierische. :)

Noch so ein Freund fürs Leben ist Regis. Wir lernten uns auf XING kennen, nur um festzustellen, dass wir nur 200 Meter Luftlinie von einander entfernt waren. Regis hat mir geholfen, meinen Vater in den Staaten zu finden. Wir haben schon zusammen gearbeitet und selbst das hat unsere Freundschaft überlebt. Uns eint die Liebe zu Katzen und zu Essen. Vornehmlich ungesundes Zeugs aus den USA. Ich sag nur: Reeses. Er ist einer, mit dem ich mich sinnlos an Thanksgiving betrinken kann und mich dabei nicht mal beherrschen muss. Wir rülpsen sogar voreinander (das will bei mir was heißen!). Und für Regis würde ich mitten in Alaska über glühende Kohlen laufen. Regis ist Familie.

Axel lernte ich auf Facebook kennen – 3 Monate später habe ich eine Firma mit ihm gegründet und mein berufliches Zuhause gefunden. Wir haben zusammen schon Erinnerungen fürs Leben geschaffen. Bei einem unserer ersten Treffen haben wir einigen Leuten ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Da wusste ich, diese Verbindung hat das Potenzial, Schönes zu schaffen. Das hat sie schon mehrfach getan und ich wollte nichts davon missen. Ich bin unendlich dankbar, dass Axel mich so nimmt wie ich bin und mich immer beflügelt. Es gibt nicht viele Menschen wie ihn. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in 50 Jahren irgendwo zusammen sitzen werden, er mit einem schwarzen Kaffee in der Hand, ich mit meinem Milchkaffee, über unsere Leben philosophieren und über die Spuren quatschen werden, die wir hinterlassen haben.

Franzi … Was auf XING als lockerer Semi-Business-Kontakt begann, hat sich im Laufe der letzten 3 Jahre zu einer echten Freundschaft entwickelt. Sie hat mich durch ein paar schwere Zeiten begleitet und ich hoffe, dass ich ihr immer dann zur Seite stehen kann, wenn sie mich braucht. Es gibt da so ein paar Dinge in unseren Leben, die wir gemein haben. Ähnliche Herausforderungen, will ich es mal nennen. Wir verstehen uns in der Hinsicht quasi blind und sie weiß hoffentlich, wie sehr es mich berührt, dass sie ihren Weg mit mir teilt. Ich glaube, ich muss sie heute mal anrufen und es ihr sagen.

Meine Sanni. Sie war eigentlich ein Auftrag. Ich habe Sanni als Bewerberin kennengelernt, als ich eine Position bei einem Kunden besetzen sollte. Was ich nicht wusste: Mein – bzw. deren – Anliegen kam genau zum richtigen Moment in ihrem Leben, als sie eine neue Richtung brauchte. Ihre ehrlichen Worte, als sie damals ca. seit zwei Monaten beim neuen Arbeitgeber war, berührten mich tief. Seitdem ist sie wie eine Schwester für mich und sie kennt meine Seele, nackt und ungeschönt. Wir finden die gleichen – teils skurrilen – Bücher gut, wir lieben beide Salsa (wobei sie definitiv der Pro von uns beiden ist), wir lachen über die gleichen Dinge und können auch zusammen weinen. Das haben schon so manche Nächte – rotweingeschwängert – bewiesen. LYLAS!

Dann gibt es noch ein paar andere, da sind die Bande noch zu zart, da ist das Menschsein noch nicht ganz ausgekundschaftet. Aber sie sind vielversprechend. Oder es sind Verbindungen, die ich so tief im Herzen trage, dass ich sie (noch) für mich behalten will. Neben all den Menschen, die ich im echten Leben, also nicht über das Netz kennengelernt habe, sind sie alle eine Bereicherung für mich. Und der Beweis dafür, dass nicht alles, was im Netz passiert, flüchtig ist.

Ich begegne so vielen Menschen im Netz, jeden Tag. Manchmal hinterlassen sie Spuren, manchmal hinterlasse ich Spuren. Manchmal passiert gar nichts, oder man muss mal den Kopf schütteln. Wahrscheinlich drücke ich den Blockieren-Knopf öfter als mir bewusst ist. Umgekehrt passiert das mit meinem Profil sicherlich auch. Das ist auch okay. Letztlich zählt doch nur, was von den Bits und Bytes es ins echte Leben schafft. Die Ausbeute bis hier hin war ziemlich gut.

Danke, Internet.